F A C E S

Interviews und Videoprotraits. Videoschnitt und Audio. Biographische Positionen in Bild und Ton: Der Studiengang selbst, der Geschichte des Studiengangs, Absolvent:innen, aber auch Lehrende  verbindet Menschen und digitale Kommunikation als Beruf(ung).

Jede:r hat eine eigene Perspektive und einiges zu erzählen, zum Studium, zum Lehren, zur Arbeit während und zum täglichen Leben als onkomm.

Das Seminar beinhaltet die Auseinandersetzung mit und das Erproben von Interviewtechniken. Ziel ist außerdem der Umgang mit entsprechenden Video- und Audiotechniken. Im Team werden zudem für die besten Ergebnisse nach geeigneten Publikationsmöglichkeiten und Distributionsstrategien gesucht.

Roxana
Hannah
Jöran
Nicole
Chagai
Sven

Gibt es eine Wahrhaftigkeit der Stimme. Wahrhaftiger als Bilder und Text ist die Stimme nicht leicht zu beherrschen, zu kontrollieren, zu steuern, zu verstellen. Stimme, Mimik, Gestik sind leibhaftige Zeugnisse, Ausdruck von Erlebtem und Erfahrenem – und doch nicht gelenkt authentisch und anschaulich zu dokumentieren. Rainer Lind ist sich sicher, dass Bilder geduldiger sind als Klänge und Tonfall von Sprache. Sprache bleibt ehrlicher, verräterischer: die strenge bildliche Sprache verdankt er seiner künstlerischen Herkunft als Portraitmaler.
In Interviews portraitierte Lind drei ehemalige Bürger der DDR . Immer wieder geht es um Grenzübertritt und Grenzerfahrung: Hartmut Richter wurde als Fluchthelfer mit 18 Jahren verhafte, Joe Sachse, Gitarrist, ausgestattet mit 4 Reisepässen, durfte als Jazzgitarrist schon zu DDR-Zeiten in ganz Europa konzertieren. Friedrich Sieber wächst auf in Dresden. 1989 (!), nachdem die Behörden sein Ausreiseanträge abgelehnt hatten, floh er über die Tschechoslowakei nach Ungarn in die westdeutsche Botschaft in Budapest. Zu diesem Zeitpunkt war es für ihn völlig unklar, ob er im Gefängnis in Bautzen oder in Westdeutschland landen wird.
Alle drei verbindet auf unterschiedliche Weise die Mauer zwischen der DDR und BRD. Rainer Linds besondere Art der Interviewführung lenkt auf das Wesen der Personen: das lateinische Verb personare heißt auch erschallen, widerhallen. Seufzen, Pausen, Lachen, Stocken, Untertöne – die Konzentration auch auf semantische Details in den Interviews offenbaren die Wesenstiefe von Joe Sachse, Friedrich Sieber und Hartmut Richter
Heute lebt Hartmut Richter in Berlin, Friedrich Sieber in Darmstadt. Joe Sachse, dem es erlaubt war, die Grenze der DDR schon immer beruflich zu überwinden, lebt in Chemnitz.“ 

Hartmut Richter wurde 1948 in Glindow (Brandenburg) geboren. Kurz vor dem Abitur versuchte er als 18-Jähriger, im Januar 1966 über die tschechisch-österreichische Grenze in den Westen zu gelangen. Doch der Fluchtversuch scheiterte. Richter wurde festgenommen, saß drei Monate in Untersuchungshaft und wurde im Mai 1966 vom Kreisgericht Potsdam zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
Ein erneuter Fluchtversuch 1966 gelingt: Hartmut Richter schwimmt bei Dreilinden durch den Teltowkanal nach West-Berlin.
Er verhilft mehreren Freunde und Bekannte zur Flucht in die BRD. 1975 mißlang ein weitere Fluchtversuch, er wurde verhaftet und zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahrenverurteilt. 1980 wurde er von der Bundesrepublik freigekauft.

Joe Sachse ** (1948 in Mittweida), entstammt musikalisch der ostdeutschen Jazzszene, mit deren Vertretern er fast ausnahmslos zusammen spielte. Darüberhinaus trat er mit anderen internationalen Musikern auf: Carmell Jones, Leo Wright, Mighty, Flea Conners, Charlie Mariano, John Tchicai, John Marshall, David Moss, Peter Brötzmann, Tony Oxley, Jack Bruce, Han Bennink und Albert Mangelsdorff. Ab den 90er Jahren begann er Standardsauch aus der Rockmusik zu übernehmen. Seine charakteristische Spielweisebrachte ihm Etikettierungen wie „Jimi Hendrix der Jazzgitarre“, „Hohepriester“ oder „Hexenmeister“ der Elektrogitarre ein. Die Frankfurter Rundschauschließlich kührte ihn zum „Größten unbekannten Gitarristen Deutschlands“.1990 wurde seine zweite Soloplatte mit der „Goldenen Amiga“ ausgezeichnet

Friedrich Sieber wächst auf in Dresden. 1989, nach abgewiesenen Ausreiseanträgen, entschließt er sich zur Flucht in den Westen über die Tschechoslowakei nach Ungarn in die westdeutsche Botschaft in Budapest. Zu diesem Zeitpunkt ist für ihn völlig unklar ob er im Gefängnis in Bautzen oder in Westdeutschland landen wird. Daß sich wenige Wochen später Deutschland friedlich wieder vereinigt, war für ihn zu diesem Zeitpunkt absolut nicht absehbar.
Das vollständige Interview hier als Audio. Kindheit und Studium in Dresden, Die Flucht und am Ende die Frage danach, ob seine Erwartung in Westdeutschland erfüllt wurden. 73 Minuten.
März 2021 // Joe Sachse im Interview mit Rainer Lind bei Studioaufnahmen im Studio RAUM 103 in Darmstadt

Friedrich Sieber // Drei Lebensabschnitte

Kindheit
Die Flucht.
In Westdeutschland.
Friedrich Sieber, Podcast
Joe Sachse, Podcast

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Joe Sachse, Headerfoto // Copyright by Matthias Creutziger (Publication only credit line!) // Toeplerstraße 4 // 01279 Dresden // Deutschland // matthias@creutziger.de



„Rainer Lind beherrscht das nuancierte Spiel von Distanz und Nähe und bewegt sich zwischen entlockender Aufklärung und tolerierender Sympathie, zwischen persönlicher Verantwortung und künstlerischem Gestaltungswillen auf eine Weise, die langes und intensives Training verrät. Als Lehrer und Dozent künstlerischer Fächer hatte er ausreichend Gelegenheit, sich in sozialen Situationen zu bewähren und die einmalige und schwierige Kombination von Freiheit und Disziplin, wie sie die Kunst fordert und ermöglicht, zu üben. So konnte er schlichte und kompliziere Menschen porträtieren, in sich Ruhende und Nervöse, Betuchte und Bedürftige, Geschminkte und Ungeschminkte, Exotische und Normalos … und jeder / jede wird auf seine / ihre Weise interessant und irgendwie überraschend.“

Reinhardt Büttner / 2021.

VITA. RAINER LIND // https://rainer-lind.de

1975-79 Studium. h_da, Hochschule Darmstadt, Dipl. Designer
1980, 1981 Malerei, Kunstakademie Düsseldorf / Gotthard Graubner.
1983 Preisträger der Darmstädter Sezession, seitdem deren Mitglied,
1985 Lehrauftrag an der Fachhochschule Darmstadt, Fachbereich Gestaltung,
1986 Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis für Malerei des Landkreis Darmstadt-
Dieburg.
1990 Stipendium des Landes Hessen, Casa Baldi, Olevano / Villa Massimo, Rom

Gitarrist. Seit 1986 Konzerte und Musikprojekte (ua. mit AR PENCK, Peter Brötzmann, Jo
Sachse, Michael Wertmüller, Werner Cee),

Seit 2001 Dozent für Multimedia und Webanwendungen an der Phillipps-
Universität-Marburg, Fachbereich Mathematik und Informatik.

2018 / 2019 Dozent für „Biografische Positionen in der Architekturwelt in Bild
und Ton“ TU. Darmstadt.Fachbereich. Architektur.

2021 „FACES OF ONKOMM“
Dozent, h_da, Hochschule Darmstadt, University of Applied Sciences, Fachbereich Media

2920 / 2021
INTERVIEWS.HABITATE /
Sammlung und Auswahl von Videointerviews gezeigt, die Rainer Lind zum Thema Umwelt aufgezeichnet hat. // Gefördert von der hessischen Kulturstiftung.
>>> Projektwebseite hier: https://video.habitate.eu/

Seit 1999 betreut Rainer Lind mehrere Webseiten von Künstle*Innenrvereinigungen, Künstler*Innen, Schulen: unter anderem die die Öffentlichkeitsarbeit der BERTOLT-BRECHT-SCHULE in Darmstadt
>>>> https://diebrecht.eu