Die Trauerkarte, mit der Brigitte, Mirko und der Rest der Familie Axels Tod bekannt machten, trägt als Motto die Mahatma Gandhi-Weisheit: „Wer einen Fluß überquert, muß die eine Seite verlassen.“ Wenn ich mir vorstellen soll, was sich auf der anderen Seite des Flusses befindet, sehe ich nach wie vor Axel vor mir. Da ist ein altes Fährhaus, mit einem Empfangsraum so groß, daß man die Wände gar nicht ausmachen kann. Musik schlägt dem Ankommenden entgegen. Und die rührt daher, daß Brian Jones und Jimi Hendrix, John Coltrane und Miles Davis, Janis Joplin und Jim Morrison und Lou Reed und Nico Paeffgen, Otis Redding und Aretha Franklin, Curt Cobain und Amy Winehouse und David Bowie und Prince, Vater Tim und Sohn Jeff Buckley, George Harrison und Ginger Baker und Peter Green und neuerdings auch Charlie Watts sich da zu einer permanenten Around-the-Clock-Jamsession zusammengefunden haben. Sie spielen für einen sie umlagernden Kreis begeistert mitklatschender, mitstampfender, mitsingender Baby-Boomer, der ständig größer wird und wo doch noch zusammengerückt werden kann, damit ein Platz für Axel frei wird. Den Eintritt hat er schon im voraus bezahlt.

>>>> Zur Trauerrede von Dr.Roland Held, Darmstadt 2021