Christian Gropper, TV-Journalist, Autor, Filmemacher und Dozent. Nach Studium in den Bereichen Film, Fotografie und Geschichte, arbeitet er seit mehr als zwanzig Jahren als Dokumentarfilmer für TV und Kino mit den Schwerpunkten Politik, Geschichte und Gesellschaft. Seit 1997 ist er mit der Produktionsfirma Gropperfilm in Darmstadt ansässig.
CHRISTIAN:
„Vom Traum der Kurden, von der Situation in einer eingeschlossenen Stadt, vom Krieg, von Traumatisierungen, von dem, was sie sich erhoffen, vom Leben und von dem, was sie im Moment erwarten.
Ich habe dann Filmförderung für diesen Film bekommen, und das ZDF ist als kleiner Partner mit eingestiegen. Jetzt steigt vielleicht auch noch die ARD mit ein, mit den Filmen.
Das ist im Moment meine Hauptgeschichte, an der ich arbeite. Dazu kommt noch eine weitere Geschichte, die ich ebenfalls im Irak drehe, auch mit Kurden. Das ist auch ein Dokumentarfilm mit einem relativ ähnlichen Thema, der aber in einem etwas anderen Kontext steht.
Ich bin nach Istanbul geflogen und habe mich dort mit ihnen getroffen. Die anderen beiden, die Kurden, sind auch Deutsche. Sie hatten ebenfalls Interesse. Einer davon ist Frank, jemand, den ich schon sehr lange kenne und über den ich auch schon einen Film gemacht habe. Frank ist von Beruf Minenräumer. Er geht in Gegenden, in die sonst wirklich niemand will, ist mitten im Krieg oder direkt danach vor Ort und gräbt Minen aus dem Boden, damit die Menschen wieder auf ihre Felder können.
Über Frank habe ich vor fünf Jahren eine Dokumentation für die ARD gemacht. Sie heißt „Mein Papa räumt die Minen weg“. Darin geht es darum, dass er sich jeden Morgen von seiner Familie verabschiedet und sagt: „Ich komme heute Abend wieder.“ Und ich wollte wissen: Wie geht das? Wie schafft seine Familie das? Seitdem bin ich mit Frank in Kontakt.
Und Frank meinte dann: „Wir fliegen nach Kobani. Hast du Interesse mitzukommen?“ Er wollte nach Kobani, um zu schauen: Wie sieht die Situation dort aus, was die Minen angeht? Was kann man tun, wie kann man helfen? Und ich wollte einfach wissen, wie es ist, wenn man mit einer kleinen Kamera unterwegs ist, also bin ich mitgegangen.“
“Der Traum von Kurdistan”. PHOENIX zeigt seinen Film über die Kurden im Irak. Dieses Video haben 1.000.000 Zuschauer gesehen. . Haben Ghebregziabher* und Lara Shirin Schirkhorschidi waren als Kamerafrau und Interviewerin dabei. 2016 / Interview. Rainer Lind
CHRISTIAN: „Es sind Ausnahmesituationen. Ich glaube, es gibt keinen Menschen, der so wenig Empathie besitzt, dass er nicht irgendein Mitgefühl hat, wenn etwas Schlimmes passiert – zumindest am Anfang. Dann gibt es einen Mechanismus, durch den man sehr, sehr schnell abstumpft.
Ich habe auch diese toten Kinder gesehen, die da lagen in Kobane. Sie lagen auf dem Weg. Wenn ich von da nach da gegangen bin, lagen sie dort auch noch nach einer Woche oder nach vier Tagen, weil man sie eben nicht wegräumen konnte. Und man weiß das, und man vergisst es auch nicht. Aber man geht dann einfach einen etwas größeren Bogen. Man versucht wirklich, es auszuschließen, dass da zwei tote Kinder liegen.
Und dann fällt man in Tränen, weil man im Dorf einen toten Hund sieht. Oder man sieht eine Puppe. Dann kommt der Dolmetscher und sagt: „Da war eine Bombe drin, da ist ein Kind dran gestorben.“ Nur diese Puppe. Kein Blut, gar nichts. Aber die Situation ist normal, sie übermannt einen dann. Dass man diese tote Puppe sieht – was ein Mensch macht, eine Bombe in eine Puppe zu legen – das übermannt all diese Bilder von den Kindern.“
*Haben Ghebregziabher. Mit dem mit 3.000 Euro dotierten HfG-Rundgangpreis Fotografie 2024 ausgezeichnet wird Haben Ghebregziabher.
Die Jurybegründung
In ihrer Arbeit thematisiert Haben Ghebregziabher die Frage, was Heimatzugehörigkeit sein und bedeuten kann. Dabei verbindet sie Fotografien von Reisen nach Eritrea, dem Herkunftsland ihrer Familie, mit Polaroid-Aufnahmen aus ihrer Heimatstadt Darmstadt sowie mit Darstellungen von kulturell und religiös bedeutsamen Gegenständen, mit denen sie aufgewachsen ist und die fast wie museale Sammlungsobjekte präsentiert werden.
Haben Ghebregziabher bewegt sich dabei auf verschiedenen Ebenen fotografischer Repräsentation und bedient sich vielfältiger fotografischer Materialien und visueller Ausdrucksformen. In dieser Vielschichtigkeit spiegelt sich die Komplexität ihrer reflektierten Auseinandersetzung mit Identität, Erinnerung und dem Medium der Fotografie wider. Durch die spannungsvoll-harmonische Präsentation der Arbeit wird beim Betrachten der Bilder die Diskrepanz zwischen kulturellen Versatzstücken und individueller Wahrnehmung nachvollziehbar und weitet sich der persönliche zu einem kollektiven Erfahrungsraum.
Haben Ghebregziabher wurde 1995 geboren. Sie studiert seit 2017 an der HfG im Lehrgebiet Fotografie bei Professor Martin Liebscher.