Bernd Krimmel / Videoabend / 22. Februar 2026, 17:00 Uhr / Atelierhaus Darmstadt / Riedeselstraße 15 / im RAUM 4
Vor einigen Jahren habe ich zwei Interviews mit Bernd Krimmel geführt. An diesem Abend soll ein Schwerpunkt Bernd Krimmels Arbeit als Leiter des Instituts Mathildenhöhe erinnert werden.
1965 übernahm Bernd Krimmel als Städtischer Kulturreferent die Leitung der Darmstädter Kulturpolitik. Er reformierte den Kulturhaushalt, entwickelte das Stadtmuseum zum eigenständigen Institut Mathildenhöhe und wurde 1975 dessen Gründungsdirektor. In dieser Rolle prägte er bis 1989 als Kurator und Visionär das Programm: Er konzipierte international beachtete Ausstellungen und etablierte die Mathildenhöhe als Zentrum für moderne Kunst. Parallel lehrte er von 1968 bis 1971 als Gastdozent an der Hochschule für Gestaltung Mainz.
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BERND KRIMMEL: „Oberbürgermeister Sabais kam dann zu mir und sagte, ich müsse jetzt als Nächstes etwas machen. Er habe sich eine Ausstellungsreihe überlegt, das Kleine, also alles mit kleinen Formaten statt mit großen Bildern. Diese Transporte würden enorm viel Geld kosten, und vor allen Dingen seien die Versicherungen sehr hoch. Deshalb schlage er vor, eine Ausstellungsreihe mit kleinen Formaten zu machen.
Zunächst habe es geheißen, das kleine Format bringe überhaupt gar nichts, gar nichts. Wenn überhaupt, habe ich vorgeschlagen, eine Kunstform zu wählen, die noch völlig unterschätzt werde, nämlich die Zeichnung. Dabei habe er auch gleich den Namen gefunden und gesagt, sie solle „Internationale der Zeichnung“ heißen.
Daraufhin habe ich diese Internationale der Zeichnung realisiert, bei der ich auch in der ganzen Welt herumgefahren sei, unterstützt durch den Rat einflussreicher Persönlichkeiten. Auf diese Weise habe ich den Horizont der modernen Zeichenkunst erweitert. Es habe jeweils Sonderausstellungen gegeben, zum Beispiel zu Paul Klee oder Matisse oder Klimt oder Schiele, und das seien international erfolgreiche Ausstellungen gewesen.
In der Zeitschrift Capital habe es damals eine besondere Seite gegeben, auf der Kunstereignisse bewertet worden seien. Dort sei die Internationale der Zeichnung unter den temporären Ausstellungen noch vor der Biennale in Venedig, Tokio und Rio de Janeiro eingeordnet worden, und zwar als die wichtigste, die es gegeben habe. Deshalb habe er schließlich zu mir gesagt, jetzt müsse ich hier richtig anpacken, und ich würde nun Kunstreferent.“
Als Geschäftsführender Vorsitzender der Neuen Darmstädter Sezession (1955–1960) und mit Unterstützung des Kulturreferenten Heinz Winfried Sabais initiierte er prägende Projekte wie die Ausstellung „Kunst am Bau“ (1955) auf der Mathildenhöhe.
Geboren in Darmstadt als Sohn eines Reichsbahnbeamten, zeigte Krimmel früh künstlerisches Talent: Mit neun Jahren erhielt er Modellierunterricht, mit 19 Jahren arbeitete er bereits als autodidaktischer Schnellzeichner für US-Soldaten, die er mit Porträts von Politikern und Prominenten unterhielt.
Nach dem Abitur 1944 und einem unterbrochenen Architekturstudium etablierte er sich als freischaffender Maler und Grafiker. Bereits 1946 präsentierte er seine erste Ausstellung im Städtischen Museum Mainz. In den 1950er-Jahren prägte er das kulturelle Leben Darmstadts mit: Er gestaltete avantgardistische Kunst am Bau (u. a. die Fassade eines Studentenwohnheims, 1957), illustrierte Schulbücher und engagierte sich für Schulen und Kinderkliniken.