Demokratiezentrum Hessen an der Philipps Universität Marburg

Das Demokratiezentrum Hessen ist am Institut für Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg angesiedelt und Träger mehrerer zentraler Strukturen der Demokratieförderung in Hessen. Es verbindet Forschung und wissenschaftliche Weiterbildung mit der Koordination, Vernetzung und fachlichen Begleitung von Beratungs- und Präventionsangeboten.

Zum Demokratiezentrum gehören die Fach- und Geschäftsstelle des „Beratungsnetzwerks Hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“, die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen (RIAS Hessen) sowie der Arbeitsbereich „Rechtsextremismus, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit: Forschung und wissenschaftliche Weiterbildung“.

Die Arbeit des Demokratiezentrums und des Beratungsnetzwerks wird durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie durch das Landesprogramm „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ des Hessischen Ministeriums des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz gefördert. Der Forschungs- und Weiterbildungsbereich wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur gefördert.

Weitere Informationen zum Demokratiezentrum und zum Beratungsnetzwerk Hessen finden sich unter beratungsnetzwerk-hessen.de.

Reiner Becker: „Wir kennen besondere Geschichten aus den vergangenen Jahren, in denen es in kleineren Orten zu Konflikten gekommen ist – etwa bei der Frage, ob Gemeinschaftsunterkünfte für geflüchtete Menschen eingerichtet werden sollen oder nicht. Diese Konflikte werden derzeit auch von einer Kollegin im Demokratiezentrum im Rahmen einer eigenen Studie untersucht. Damals war die Zahl der geflüchteten Menschen noch wesentlich höher.
Natürlich war das auch mit dem Druck auf die Kommunen verbunden, diese Menschen unterbringen zu müssen – und auch unterbringen zu wollen. Dann stellen sich Fragen wie: Wo machen wir das? Wie moderieren wir den Prozess? Und mit welchen Konfliktlagen oder Fragestellungen haben wir es möglicherweise vor Ort zu tun? Aber auch: Welche Sorgen haben die Menschen? Das wäre ein klassischer kommunaler Fall.
Das ist eine besondere Geschichte. Vielleicht hört sich das zunächst etwas schlagwortartig an, aber die entstehenden Konflikte und auch ihre Bewältigung hängen sehr stark von den jeweiligen Besonderheiten vor Ort ab. Jedes System unterscheidet sich – auch wenn ein Dorf ein Dorf ist und eine Schule eine Schule ist.
Der Kern unserer Arbeit besteht deshalb zunächst darin, die Besonderheiten jedes einzelnen Systems zu verstehen, um darin die passenden Ansatzpunkte zu finden – etwa mit Blick auf eine Beratungsanfrage. So kann zum Beispiel die Einrichtung einer Unterkunft für geflüchtete Menschen gelingen und möglichst viele Menschen können auf diesem Weg mitgenommen werden.“
Reiner Becker: „Dort, wo schon lange viele nicht mehr so genau hingucken – nach dem großen Aufmerksamkeitsfokus, den die Situation in Hanau zunächst hatte. Das war Wahnsinn. Und hier bricht sich dann auch ein Stück weit meine vielleicht etwas idealisierende Vorstellung davon, an einer Universität zu arbeiten und Forschung zu machen.
Die Situation in Hanau hat bis heute Aufmerksamkeit weit über die Stadtgrenzen hinaus erfahren. Wir haben danach auch begonnen, gemeinsam mit dem Deutschen Jugendinstitut eine eigene Studie in Hanau durchzuführen, um ein Stück weit aufzuarbeiten und zu verstehen, wie es der Kommune überhaupt gelungen ist, vom ersten Tag an mit einer solchen Überforderung zurechtzukommen.
Ich denke, die Stadt Hanau hat – bei allen Fehlern, die gemacht wurden – mit einer sehr großen Offenheit, einer hohen Bereitschaft und sehr viel persönlichem Engagement einen Umgang mit diesem Anschlag gefunden.
Das hing auch sehr stark vom Verhalten des Oberbürgermeisters ab und von den Entscheidungen, die in den ersten, ich würde sagen, 48 Stunden getroffen wurden – höchstens 48 Stunden, vielleicht waren es auch nur 24. Und bis heute versucht man nicht nur, dieses Thema am Leben zu halten, sondern aktiv daran zu arbeiten, dass dieser Anschlag ein Teil der Stadtgeschichte wird.
Mein erster Termin in Hanau war eine Woche nach dem Anschlag. In dem Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt habe ich mir erlaubt, den Satz zu sagen: „Denken Sie jetzt schon daran, dass es einen erinnerungspolitischen Konflikt geben wird. Wie gedenken wir der Menschen? Welche Räume schaffen wir? Wo? Und so weiter.“
Und tatsächlich ist es genauso gekommen: Auch das Thema des Gedenkens – etwa die Frage, wo ein Denkmal stehen soll oder ob überhaupt eines errichtet werden soll – wurde zu einem Konfliktthema. Zu einem Konfliktthema für die gesamte Stadtgesellschaft beziehungsweise für Teile der Stadtgesellschaft.“
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