Alles improvisiert.

“ .. ein weich auf dem Papier sich ausbreitender Leinölfleck, darin rußig-fette Hiebe des Kohle- und feinere Spuren des Bleistifts sich bündelten und kreuzten und schlossen, um schließlich wieder auseinanderzustreben, bald fließend, bald stockend, doch stets abrupt, aggressiv, anarchisch wie ein Blitzschlag, eine Geschossbahn, ein Vulkanausbruch.“ 
Roland Held

In Bildausschnitten und Binnenstrukturen erschließt sich Rainer Linds Konzept des Zeichnens, auch als Serien oder sich wiederholende Motive münden diese oft in Landschafts-, Menschen – auch Tiermotive.

Zeichnungen aus den Jahren 2025 / 2026 zeigen Landschaften: Grundrisse, Ahnungsflächen, Blickrichtungen, Bedeutungsreste.

Die Materialpalette ist schlicht: Leinöl, Grafit, Eisenoxidrot, Eisenoxidschwarz, Perlleim, Champnerkreide und Schellack – auf Papier.

Inspiriert wird er auch von Landschaftsfragmenten aus der Luft, die er mit der Drohne fotografiert oder filmt. Die Linien dort sind Trennlinien verschiedener Landschaftsräume: Straße / Feld,  Wald / Wiese, Vorfluter / Felder.

Seine Sammlung zeigt erhebliche Verschiebungen. Übergangslos stoßen Felder an Straßen, Gebrauchsflächen übergangslos an Wälder, Holzrückespuren am Hang entwässern den Waldboden. Maschinenspuren durchziehen Wiesen und Felder, allgegenwärtig.







Mehr in der Öffentlichkeit steht Rainer Lind in den letzten Jahren mit seinen Video Interviews, die er neben seiner Malerei 2009 begann. In diesen Porträts bringt Rainer Lind fachliche Expertise und persönliche Haltung der Interviewten in wechselseitige Verbindung.

Rainer Lind „beherrscht das nuancierte Spiel von Distanz und Nähe und bewegt sich zwischen entlockender Aufklärung und tolerierender Sympathie, zwischen persönlicher Verantwortung und künstlerischem Gestaltungswillen auf eine Weise, die langes und intensives Training verrät. Als Lehrer und Dozent künstlerischer Fächer hatte er ausreichend Gelegenheit, sich in sozialen Situationen zu bewähren und die einmalige und schwierige Kombination von Freiheit und Disziplin, wie sie die Kunst fordert und ermöglicht, zu üben.“
Reinhardt Büttner

„Die Video Arbeiten von Rainer Lind stechen besonders vor durch ihre Fähigkeit Themen und Personen auf vielseitige und erforschende Weise dazustellen. Hierbei wird den Zuschauenden keineswegs eine einzelne Perspektive aufgedrängt. Stattdessen entsteht ein Raum der Begegnung, Reflektion und Entdeckung. Rainer Lind schafft eine Interview Atmosphäre in der die interviewte Person nicht nur erzählt sondern auch interagiert.“
Ida Herrmann




Yana Robin la Baume, Schauspielerin
Nach zwei Studiensemestern Kunstgeschichte an der Universität in Hamburg absolvierte sie ihr Schauspielstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart. Gastengagements führten sie an das Wilhelma-Theater in Stuttgart und in der Spielzeit 2013/14 war sie im Schauspielstudio am Theater Freiburg tätig. Seit der Spielzeit 2014/15 war Yana Robin la Baume bis Juli 2019 Ensemblemitglied am Staatstheater Darmstadt und war bisher in zahlreichen Rollen, von “Penthesilea” bis “Peterchens Mondfahrt”, zu sehen.
Helmut Herbst gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten des Anderen Kinos der 1960er und 1970er Jahre. 1967 war er Mitbegründer der Hamburger Filmmacher Cooperative, die als europäische Variante des amerikanischen Undergroundkinos konzipiert wurde. Bereits 1962 gründete er die Firma Cinegrafik, mit der er Animationsteile für Industriefilme und Fernsehsendungen herstellte. Gleichzeitig entstanden unter Cinegrafik eigene Animationsfilme wie Der Hut oder Mondo uovo (1964), Schwarz-Weiß-Rot (1963/64) und Kleine Unterweisung zum glücklichen Leben (1962/63), das er in Zusammenarbeit mit dem Lyriker Peter Rühmkorf realisierte.



Diese Video-Interviews sind natürlich auch eine Zeitzeugensammlung, die – wenn auch begrenzt nur möglich – versucht, ein sehr konkretes Bild unserer heutigen Zeit zu zeichnen: davon, wie Menschen gelebt, gearbeitet, gedacht und gefühlt haben, welche Themen sie beschäftigt haben und wie sich unsere Gesellschaft in dieser Zeit verändert hat. Für ihn selbst sind sie aber ebenso eine sehr intensive persönliche Recherche – die Suche nach Antworten auf Fragen, die sich ihm aufdrängen und ihn beschäftigen.

1970. Also ganz am Anfang von Allem war aber das Gitarrenspiel: als 16 Jähriger, ein Vox AC 30 und einer Gibson SG Standart, der Traum Musiker zu werden. In einer TV-Nachrichtensendung, vielleicht 1970, wurde der Free-Jazzer Peter Brötzmann bei einer Vietnamdemonstration als Beispiel für die Verrohung von Demonstrierenden mit seinem Saxofonspiel denunziert. Dieses Bild trägt Rainer Lind noch immer mit sich herum. Viele Jahre später stand er mit Peter Brötzmann öfter auf der Bühne, und mit dem folgenden Zitat schließt sich ein Kreis:

In der Klangturbine / Brötzmann und Lind zu Gast in der Brotfabrik. „Dergestalt in die Klangturbine versetzt, beruhigten nur die Blickwinkel zwischen den Musikern: Hier wurde der gellende Klangexzess, die brodelnde Klangmaterie von mit größtem Bedacht vorgehenden Köchen angerührt.“
Bernhard Uske 1998 / Frankfurter Rundschau.

Im November 2026 wird in der Galerie Epes in Darmstadt auf rund 300 m² eine Auswahl von etwa 60 Zeichnungen, sieben Monitoren mit Landschaftsaufnahmen, fünfzehn Zehn-Minuten-Porträts sowie einer Sammlung von Bildausschnitten von Rainer Lind zu sehen sein. Einzelheiten dazu werden zeitnah bekannt gegeben.

Noch angekündigt wird ein Vortrag von Rainer Lind, in dem er Einblicke in seine Videoarbeit gibt und diese anhand von Arbeitsproben kommentiert.



Mit der Präsentation des zeichnerischen Werks von Rainer Lind, für das er mehrfach mit Kunstpreisen bedacht wurde, und der verschiedenen Gattungen seiner Videokunst, Landschaftsdokumentationen und Interviews wird die Breite seiner künstlerischen Arbeit in ihrer Gesamtheit zum ersten Mal an einem Ort gegenüber- und nebeneinandergestellt.
Neben seinem Schaffen als bildender und Medienkünstler lehrt Rainer Lind seit 2001 an der Universität Marburg, am Fachbereich Mathematik und Informatik, Webdesign. Ab dem Wintersemester 2026 wird er zusätzlich am Fachbereich Medienwissenschaften „Interviewtechniken in Videoformaten“ lehren. Von 1981 bis 2020 war er als Seiteneinsteiger als Kunstlehrer an einem Oberstufengymnasium in Darmstadt angestellt.
Seit einigen Jahren betreibt er die Öffentlichkeitsarbeit der Geschichtswerkstatt Darmstadt (Walther-Lüpcke-Demokratiepreis 2025), für die er Interviewformate und Ausstellungsexponate für umfangreiche Ausstellungen im Staatsarchiv Wiesbaden, im Staatsarchiv Darmstadt, in der Gedenkstätte Osthofen und im Max Mannheimer Studienzentrum in Dachau entwickelt und realisiert.
Als Mercator-Journalist in Residence widmete Rainer Lind sich 2023 einem Interview-Zyklus zum Themenfeld des Diskursprojekts „eFin & Demokratie“, das am Fachbereich Philosophie der TU Darmstadt angesiedelt ist. 2025 folgte eine Interviewserie zum Thema „TOKENISIERUNG – Praxiswissen für KMU und Startups“ im Rahmen eines Forschungsprojekts am Fachbereich Rechtswissenschaften der Philipps-Universität Marburg.

Weitere Infos über Rainer Lind hier >>>>








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