Peter Bell

„Natürlich weiß ja auch jeder in Marburg, dass die Uni 500 Jahre alt wird. Dieser Termin war für dieses Jahr so wichtig, gerade für die von der Universität geprägte Stadt, dass sich das schon früh abgezeichnet hat.
Entsprechend hatte ich diese Idee auch schon, bevor die Uni überhaupt gefragt hätte: Wer will denn was machen? Es war einfach klar, dass das Jubiläum auf uns zukommt. Genauso hat mich der Mediävist Sacco angesprochen. Auch die Sacco di Roma jährt sich 2027. Das ist die Plünderung Roms durch eine deutsche Landsknechttruppe. Wir Historikerinnen und Historiker sind ja ein bisschen auf solche Jubiläen fokussiert. Wir wissen: Wenn etwas 500 Jahre alt wird oder ein ähnliches Jubiläum ansteht, kann man dazu gut etwas machen.“

Peter Bell: „Mich hatte schon immer interessiert, wie man historische Dinge rekonstruieren kann, zum Beispiel mit 3D-Modellen. Überhaupt fand ich die Frage spannend, wie man Räume erschaffen kann, um sich Dinge vielleicht besser merken und sich besser orientieren zu können.
Natürlich kann man Geschichte auch vermitteln, indem man einfach Texte liest. Aber dann fällt es schwerer, sich die Dinge zu merken. Wenn Sie dagegen beispielsweise einmal ein Schloss oder eine Kathedrale besucht haben, dann prägt sich das natürlich auch besser ein.“
Peter Bell: „Die „Wissens Räume“ sind direkt interdisziplinär gestartet. Also muss eigentlich sogar sagen, selbst in der Kunstgeschichte bin ich direkt differenziert gestartet, weil ich gar kein Architekturhistoriker bin. Also musste ich da schon den Kollegen fragen und mich mit Leuten, die ein bisschen mehr von diesen Bauten wissen oder auch eben von mittelalterlichen Bauten wissen. Es war also von Anfang an sehr dialogisch.
Und dann haben wir hier mit einem Professoer aus der Informatik gesprochen, der eben Computergrafik macht und deshalb eben auch solche 3D Modelle bauen kann. Und haben auch versucht, was recht ambitioniert war, mit studierenden Projekten so was aufzubauen und zumindest erste Prototypen zu bauen. Und dann haben wir im Grunde genommen eine Art Wunschliste oder oder Brainstorming Liste gehabt, wer denn sonst dann noch mittun könnte.“
Peter Bell: „Wie ich vorher schon angedeutet habe, habe ich ein besonderes Verhältnis zu dieser Uni, weil ich auch hier studiert habe und sozusagen eine Art Wiedergänger.
Es kommt eigentlich relativ selten vor, dass jemand diesen Weg geht und wieder dorthin zurückkehrt, wo er ursprünglich angefangen hat. In manchen Fächern ist das einfacher, weil sich dort manchmal bestimmte Dinge so arrangieren lassen, dass es klappt. Aber grundsätzlich ist das eher selten, und ich bin auch ganz bewusst zurückgekehrt.“
Peter Bell: „Die Faszination für die „WissensRäume“ liegt vermutlich auch zu einem großen Teil im Kunstgebäude begründet, denn das Kunstgebäude ist ja selbst ein Jubiläumsbau. Damit verbindet es das heutige Jubiläum unmittelbar mit dem 400-jährigen Jubiläum der Universität: Schon damals wollte man einen großen Wurf machen und hat dafür dieses Gebäude gestiftet. Es wurde durch die Leistung vieler verschiedener Personen und Gruppen, bis hin zu den Mitarbeitenden, errichtet, um das Jubiläum auch baulich sichtbar und fassbar zu machen. In gewisser Weise knüpfen die „WissensRäume“ heute daran an: Sie machen die Geschichte der Universität auf eine neue Weise räumlich erfahrbar.“



Prof. Peter Bell ist Professor für Kunstgeschichte und Digital Humanities an der Philipps-Universität Marburg 
Nach einer Steinmetzlehre von 1998 bis 2000 studierte er von 2000 bis 2005 Kunstgeschichte, Betriebswirtschaftslehre sowie Graphik und Malerei an der Philipps-Universität Marburg. Im Dezember 2005 schloss er das Studium mit einer Magisterarbeit über „Die Fresken der Sala dei Mesi des Palazzo Schifanoia in Ferrara“ ab.
Von 2006 bis 2011 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich 600 „Fremdheit und Armut. Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen von der Antike bis zur Gegenwart“ an der Universität Trier tätig. Dort arbeitete er sowohl im Forschungsvorhaben „Repräsentation von ‚Zigeunern‘ in den Bildwelten des 15.–20. Jahrhunderts“ als auch im Teilprojekt C2 „Ordnungen der Bilder. Repräsentation von Fremdheit und Armut in Kunst und visueller Kultur Italiens (13.–16. Jh.)“. 2011 verteidigte er seine Dissertation mit dem Titel „Getrennte Brüder und antike Ahnen. Repräsentationen der Griechen in der italienischen Kunst zur Zeit der Kirchenunion, 1438–72“.
Von 2011 bis 2013 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Heidelberg Collaboratory for Image Processing (HCI) und am Centre for Transcultural Studies sowie Mitglied der Computer-Vision-Gruppe von Björn Ommer. Von 2013 bis 2018 leitete er das Forschungsprojekt „Künstliches und künstlerisches Sehen. Computer Vision und Kunstgeschichte in methodisch-praktischer Zusammenarbeit“ im WIN-Kolleg der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und war zeitweise auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter daran beteiligt. Zwischen 2015 und 2017 übernahm er verschiedene Tätigkeiten am Dortmunder U, darunter Aufgaben in der Geschäftsführung des Hartware MedienKunstVereins (HMKV) sowie eine freie Mitarbeit im kiU der Fachhochschule Dortmund. 2017 war er zudem wissenschaftlicher Mitarbeiter im BMBF-Projekt „Digitale Erschließung von Postkarten und Druckgrafik des Rom e. V.“ am prometheus-Bildarchiv der Universität zu Köln, das in Zusammenarbeit mit dem Rom e. V. durchgeführt wurde.
Von 2017 bis 2021 hatte er eine W1-Professur für Digital Humanities mit Schwerpunkt Kunstgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg inne. Im Jahr 2021 erhielt er einen Ruf auf die W3-Professur für Kunstgeschichte und Digital Humanities an der Philipps-Universität Marburg.
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner