Günther Gassner

GÜNTHER: “ … es kommen die Bullen entgegen und die Kuh. Wie die sich dann unten am Ganges Ufer trifft und da gibt es nix zu fressen. Dann kommen sie mit ihrem Wasser und begießen den, und die anderen bringen noch ein paar Blumen, und dann wird er noch mit irgendwelcher Farbe, roter Farbe, bemalt. Und das ist ihre Morgenszeremonie. Also sie zelebrieren die Geburt des Lebens, quasi wie man Leben feiert oder gebiert oder wie man … Ja, ich finde, es ist ein schönes Bild, und ganz viele Bilder kommen da ja in Indien.

Es ist blanke Erde, aber sie genießen den abendlichen Luftzug und stehen da, und du siehst, wie sie voller Freude, voller „Jawoll“, fast Wollust, da stehen und das Ding genießen. Und das dürfen die sich selber ausdenken. Wenn du dann die Gasse hochgehst, oben liegt die Ziege so mit überschlagenen Beinen und guckt dich an: Was machst du denn? Und alle sind sie friedlich. Also das ist wirklich ein absolutes Wesensmerkmal in Indien, dass die Tiere dir nichts machen, wenn du ihnen nichts machst.


GÜNTHER:
„Ich bin katholisch erzogen worden. Meine Schwester ging ins Kloster. Meine Mutter war in der Schönstattbewegung, als Verehrerin von Pater Kentenich unterwegs. Also das war sehr religiös bei uns. Irgendwie hat mich das immer sehr zu Widerstand und Opposition aufgefordert.

Diese Art von Schöpfungsgeschichte aushebeln zu können. Und das ist immer so, wenn ich nach Indien komme und du sitzt im Zug. Alle fragen sich gleich: Wie kommst du nach Indien? Warum, wieso? Was interessiert dich daran? Und wenn du natürlich sagst: wegen der Religion dann sind sie natürlich sofort hellwach – alles  anders als bei uns, was?

Wir haben ja diese semitisch vorgeprägte Kultur des alleinigen Gottes, des Allwissenden, des Allmächtigen, des Allseienden. Und schon wenn man eine gewisse Logik anwendet, dann stutzt man schon mal, weil er fürs Böse ja nicht zuständig ist, sonder der Teufel … und das wundert einen dann schon. Und wenn man dann erklären muss, wie die Schöpfungsgeschichte so ist, dann wundert man sich auch, dass man das alles so geglaubt hat … dann waren die Berge da geschaffen und die Flüsse und das Wasser und alles.

Und einer sagt dann: Oh, habe ich ja super gut gemacht. Und irgendwann dann, am siebten Tag, sieht er, dass auf irgendeinem blauen Planeten ein Gewürm sich metzelt und meuchelt und stichelt und rummacht. Und dann sagt er: Oh ja, ja, like me.“

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