Nun ist Heinz Lüdde nach 56 Jahren wieder nach Darmstadt gekommen, auch an die Georg Büchner Schule , die damals für kurze Zeit ’seine‘ Schule gewesen ist. Anlass ist, dass Frank Schuster, Redakteur beim Darmstädter Echo, ein Buch zum Thema geschrieben hat (Titel: Büchner Sixty-Nine), in dem die damaligen Ereignisse auf Grundlage von Quellen dargestellt und romanhaft verarbeitet werden. Frank Schuster wurde seinerseits begleitet von Johannes Breckner von der Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde e.V. als Moderator sowie von Andel Müller, der 1969 einer der Schüler war, die als‚ Rädelsführer‘ der Schule (bei ihm das Ludwig Georgs Gymnasium) verwiesen wurden und von Rainer Wieczorek, ein ehemaliger Schüler Lüddes an der GBS.
Was mich sehr überrascht hat, ist, was für eine Welle an Solidarität das ausgelöst hat, auch an anderen Schulen und auch an der TH Darmstadt unter den Studierenden, für welche Solidarität es gesorgt hat, sodass es am Ende teilweise zu einer Demonstration von mehreren tausend Schülern auf diesem Platz kam, zum Beispiel. Es gab auch eine Stadtblockade. Da haben sich die Schüler auf die Straßenbahngleise gesetzt und auf die Straße.
Das hat man heute auch vergessen: 1969 fuhren ja noch die Autos über den Platz drüber, da gab es den Tunnel noch nicht. Und wir haben uns einfach auf den Platz gesetzt, haben keinen Verkehr mehr durchgelassen. Das war zum Beispiel eine Aktion, und ich fand es erstaunlich, wie viel Solidarität es gab. Auch von den Gewerkschaften – die haben sich auch angeschlossen, die GEW, aber auch andere Gewerkschaften.
Aus meinen Recherchen heraus würde ich sagen, es war praktisch so ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Es lag in der Luft, klar. Ich meine, es sind die wilden Achtundsechziger gewesen. Es wurde ja ständig protestiert, aber an dem Fall Heinz Lüdde hat sich praktisch so ein Generationswechsel herauskristallisiert. Heinz Lüdde hat einen sehr modernen Unterricht gemacht.“
Die Mikrofone wurden abgestellt. Sie wollten eigentlich nur ein kurzes Statement abgeben. So war es auch vereinbart gewesen, aber aus irgendwelchen Gründen hatte dann die Akademie für Sprache und Dichtung etwas dagegen. Sie haben die Mikrofone abgestellt und die Polizei gerufen. Die Polizei stand ohnehin schon draußen, hatte das ein bisschen abgeschirmt, und hat die Schüler dann hinausbegleitet.
Wenn man sich das heute als Video anschaut – man kann das auf der Seite der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung immer noch sehen –, ist zu erkennen, dass alles relativ friedlich verlaufen ist. Interessanterweise hatte das aber eine relativ solide Solidarität, zumindest bei den überregionalen Medien, gefunden. Die Zeit hat darüber berichtet, ebenso andere überregionale Zeitungen und Zeitschriften, und die fanden es eigentlich unverschämt, dass man die Schüler nicht einfach kurz zu Wort kommen ließ.
Die hatten vorher auch gesagt, dass sie keine lange Rede halten würden. Es ging ihnen letztendlich nur darum, vor laufender Kamera darauf aufmerksam zu machen, dass sie es nicht in Ordnung fanden, dass ihr Lehrer von der Schule geflogen ist.“
