BERNHARD: „Dieser Friedrich Ludwig Weidig steht eigentlich symbolisch für die politische Verfolgung, mit der dieses Gefängnis immer wieder verbunden ist. Er war Mitstreiter von Georg Büchner – Georg Büchner, der vielen bekannt ist, den man, was seine politische Ausrichtung angeht, als Frühsozialisten oder Kommunisten betrachten kann. Friedrich Ludwig Weidig hingegen kann man auf jeden Fall als radikalen Demokraten bezeichnen.
Er steht ganz explizit auch für den Hessischen Landboten, also jene Flugschrift, mit der grundsätzlich zum Widerstand aufgerufen wurde. Diese Flugschrift wurde verteilt, dieser politische Widerstand – diese Verschwörung – ist jedoch verraten worden und aufgeflogen. In der Folge kamen die Mitstreiter, oder zumindest viele von ihnen, hier in dieses Gefängnis. Friedrich Ludwig Weidig hat diese Haft nicht überlebt.“
BERNHARD: „Georg Büchner konnte fliehen und ist später in der Schweiz gestorben. Aber die Figur Weidigs, so wie ich sie sehe, ist für dieses Gefängnis von enormer Bedeutung – auch heute noch. Weidig ist auf dem alten Friedhof beerdigt, und auch dort gibt es eine Erinnerung an ihn, die wachgehalten wird. Das ist natürlich eine bestimmte Interpretation dieser Geschichte, in der Weidig besonders hervorgehoben wird.
Es gab aber auch andere Mitstreiter Büchners, die hier inhaftiert waren. Minnigerode zum Beispiel ist von Bedeutung, er konnte später emigrieren, ebenso wie andere. Insofern hat dieses Gefängnis, was politische Verfolgung angeht, von Anfang an eine ganz besondere Bedeutung. Es war ja erst kurz zuvor errichtet worden und wurde dann sehr früh zu einem Ort politischer Repression.
Geht man etwa hundert Jahre weiter, in die Zeit des Nationalsozialismus, sieht man dieses Gefängnis in seiner ganzen Komplexität als Widerspiegelung des nationalsozialistischen Terrorsystems. Denn es gibt hier Teile, die als Gestapo-Trakt und zeitweise als KZ-Außenlager genutzt wurden.“