Auf einem Monitor erscheinen Zeichnungen von Rainer Lind – genauer: deren Dokumentationen. Vergrößerungen, Details, Bildausschnitte, gezoomte Elemente und veränderte Kontraste lösen die Arbeiten aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang, hinterfragen ihre bildsprachlichen Inhalte und führen zu stilistischen wie inhaltlichen Umdeutungen. Die Fragmente kontextualisieren sich in den Serien gegenseitig neu.
Weitere Videoszenen geben Einblick in die Arbeitsweise von Rainer Lind. Breiige Materien aus honiggelben Leinölspuren, Schellackbraun und Eisenoxyd; rußschwarze, fließende Farbigkeit stehen in Spannung zu trennscharfen Linien und komplexen Liniengeflechten.
Ein weiterer Monitor zeigt Urbanes, Landschaftliches, auch vom Menschen Angelegtes, Gedemütigtes, erfasst mit streifenden Drohnenflügen oder im von oben ansetzenden Zoom. Verdorrte Sonnenblumenfelder, schneeverwehte Ackerfurchen, in den Schlamm eingegrabene Reifenspuren, ein Bestand skelettierter Fichten. Weitere Videoskizzen sind Alltagsszenen, Gesprächsfetzen, Filmausschnitte. Tagebuchähnliche Fragmente, die das zeichnerische Werk von Rainer Lind beeinflussen.
Roland Held: „Die den Bild-Resultaten entsteigenden Wesen einer Zwischenwelt empfehlen sich als die idealen Wegweiser hinein in die »möglichen Übergänge, Verflechtungen, Einflüsse, Annäherungen und Berührungen zwischen den Gattungen«, mit denen Rainer Lind selber die Intention seines »In den Pfützen der Erosion«-Projekts umschreibt.“