40 Jahre Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis des Landkreises Darmstadt-Dieburg für bildende Kunst und Literatur
Ein Kosmos der Figurchiffren / Auszug über Rainer Lind „Die Verleihung des Georg-Christoph-Lichtenberg-Preises an Rainer Lind / 1986 markierte einen Bruch nicht nur der Generation, sondern auch der Auffassung von Kunst. Zuvor, vier Mal, obschon mit je eigenem Temperament, die Überführung der sichtbaren Welt in ein hier eher koloristisch-malerisch, dort eher grafisch-lineares Bildgefüge. Jetzt, zumal in der „Kraft-Trans“ genannten Serie mittel- bis großformatiger Zeichnungen, die Lind mehrere Jahre beschäftigt und mit der er überregional Ausstellungen bestückt hatte: kein wiedererkennbarer Gegenstand, stattdessen ein weich auf dem Papier sich ausbreitender Leinölfleck, darin rußig-fette Hiebe des Kohle- und feinere Spuren des Bleistifts sich bündelten und kreuzten und schlossen, um schließlich wieder auseinanderzustreben, bald fließend, bald stockend, doch stets abrupt, aggressiv, anarchisch wie ein Blitzschlag, eine Geschossbahn, ein Vulkanausbruch. Wenn Buntfarbe hinzutrat, dann als unwirsch ins gestische Geschehen eingespachtelter Batzen Weiß oder Zinnoberrot. Es lag nahe, das Motto „Kraft-Trans“ zu deuten als Metapher für die gewaltsame Entladung von Energie.“ (Roland Held)