G.: „Ich weiß nicht, ich habe das total abgeschliffen. Und diese Haltung, ja, das würde ich sagen, kommt auf jeden Fall aus dem Skeptizismus. Das mischt sich dann mit diesem Erkenntnisdrang. Dadurch kann man sich erst ein Bild von der Situation machen und dann seine Antihaltung darauf projizieren – und schon hat man eine politische Gegenmeinung.
Die Frage war, ähm, wann ich das erste Mal bemerkt habe. Ich bin ja gut im Abschweifen. Ich bin ja sehr gut im Abschweifen. Das möchte ich an dieser Stelle – bitte, bitte – lasst das drin. Ein Zitat von meinem Lehrer: Das hat er unter meine Klausur geschrieben, was ich schon sehr oft zitiert habe. Er hat gesagt: „Hang zu luftigen Gedanken, Ausflügen, ein wenig faktenorientiert. Bodenhaftung könnte nicht schaden.“ Das beschreibt mich sehr gut.
So. Wann habe ich das das erste Mal bemerkt? Ich glaube, na ja, in der Grundschule. Ich hatte keinen Bock auf nichts. Ab wann wird es politisch? Also, ich erinnere mich, dass ich, als ich auf der Viko noch war, ein Hausaufgabenheft hatte – das mussten wir alle haben. Das Logbuch, hieß das. Da musste man dann seine Sachen eintragen, und am Ende der Woche konnte man aufschreiben, was top war und was flop war.
Und das hat uns alle total genervt. Wir mussten das führen, das wurde kontrolliert. Und dann habe ich angefangen, Unterschriften zu sammeln gegen dieses Logbuch, das wir zwei Jahre lang führen mussten. Ich bin herumgegangen und habe Leute unterschreiben lassen. Und ich bin, glaube ich, auf zwanzig Leute gekommen – in der sechsten Klasse. Das war schon wirklich sehr prägend für meinen politischen Werdegang.“