Martin Landzettel

Die menschliche Stimme. Wie hat sie sich evolutionär entwickelt? Welchen Einfluss haben vorangegangene Stadien wie Wasser- und Baumperioden auf unsere heutige – oft konfliktreiche – Beziehung zur eigenen Stimmfunktion? Martin Landzettel äußert sich zum Wesen des Kehlkopfes, der Bedeutung der Sensorik für das Musizieren und die tiefe Verbindung zwischen Stimmphysiologie und Instrumentalspiel.

„Kehlkopf. Die Schwingung wird uns geschenkt. Wir müssen nicht schwingen, sondern es wird Schwingung erzeugt, einfach durch eine tendenzielle Schließung der Stimmlippen und einem Luftband, welches hindurch streicht. Zur Stimmfunktion gehören weitere Eigenschaften, zu welchen der Kehlkopf eigens fähig ist, durch Muskulatur, welche die Stimmlippen spannen und modellieren, also dicker, dünner, schmaler machen kann.
„Die Geige. Es macht einen großen Unterschied, ob man die Geige einfach nur motorisch hält, um eine freie linke Hand zu haben, oder ob man klangsensorisch musiziert, die Saiten quasi als Verlängerung der Stimmbänder erfährt, um alles das, was man hierdurch erlebt, auch mit körperlichen Vorgängen zu verrechnen. Es macht absolut Sinn, mit der eigenen Stimme Erfahrungen zu sammeln, denn sie ist der Schlüssel für ein Erschließen innerer Organe und Räume. Es ist eine Art Autostimulation.“
„Herangehensweise. Jegliche Tätigkeit setzt sich aus Sensorik, dem Empfinden, und Motorik, der Handlung, zusammen. Während einer Handlung ist es schwer, wahrzunehmen. Wir haben so viel zu tun und schon ist es vorbei und wir waren sensorisch überfordert. Aber im Nachhinein kommen wertvolle Signale aus den sensorischen Feldern des Körpers. Diese Kreativität der Sinne zu nutzen, um in eine neue Handlungsqualität überzugehen, würde im Grunde bedeuten, Ursache und Wirkung umzukehren.“
Martin Landzettel studierte Geige in Darmstadt bei Jacek Klimkiewicz und an der MHS Trossingen bei Rudolf Rampf. Zur gleichen Zeit war er am Lichtenberger® Institut für Angewandte Stimmphysiologie seit der Gründung 1982 als Pädagoge tätig. 2002 übernahm er die Leitung. Er war Ausbilder und Mitarbeiter bei Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitswissenschaft der TU Darmstadt. Neben einer regen Konzerttätigkeit im Bereich der klassischen Kammermusik ist er Mitglied diverser Jazz-Ensembles. Martin Landzettel widmet sich durch Kursveranstaltungen und Vorträgen im In- und Ausland der Entwicklung einer Instrumentalmethodik auf Grundlagen der Lichtenberger Gesangforschung. Neben fachbezogenen Veröffentlichungen ist er Co-Autor und Herausgeber der „Lichtenberger Dokumentationen.