»Wir suchen überall das Unbedingte, und finden immer nur Dinge.«

Marina Rüdiger über Urban Hüter

Auf den ersten Blick wirken Urban Hüters Arbeiten surreal. So lassen seine skulpturalen Mischwesen an die wimmelnden Visualisierungen des Fegefeuers von Hieronymus Bosch denken, die ihrer Zeit weit voraus waren. Jedoch ist Hüters Triebfeder nicht die Religion, sondern der Glaube an die Beseeltheit der Dinge, die eine menschliche Berührung hinterlässt. Die Hand des Künstlers ist es, die zuschaut und zulässt, dass sich die Formen aus den Materialien heraus entwickeln, jedoch ist es auch diese Hand, die alles formt, miteinander verbindet und so den Dingen ihre unbedingte Seele gibt.

Urban Hüter ist 1982 in Frankfurt geboren und absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Steinmetz bei seinem Vater Georg Hüter, der ebenfalls ein renommierter Bildhauer ist. 2007 ging er für sein Studium nach Nürnberg, wo er 2013 seinen Abschluss als Meisterschüler von Ottmar Hörl in der Klasse für freie Bildhauerei machte. Seit 2019 lebt und arbeitet er wieder in Frankfurt am Main.
<<< Urban Hüter in seinem Atelier in Frankfurt
Headerfoto (c) Rainer Lind

Zeitgenössisch und reflektiert setzt er sich mit Motiven auseinander, die das Selbstverständnis der Romantik wachrufen – die Sehnsucht nach einer Einheit von Mensch und Natur, das Spielen mit dessen Unmöglichkeit und dessen Visualisierung im Motiv des Unheimlichen. Er verherrlicht die Beseeltheit der Dinge nicht, lässt sie jedoch auch nicht los und macht so deutlich, dass sie ein wichtiger Teil unseres zeitgenössischen Selbstverständnisses ist. Er zeigt damit auf, dass diese Sehnsucht bereits Teil unseres kulturellen Erbes ist und ebenso ein Teil unserer reflektierten Zukunft werden muss. Warum? Nicht weil sie es ermöglicht, sich dem aufgeklärten Alltag zu entziehen, wie es einst die Surrealisten mit ihren drogen- oder hypnoseindizierten Traumbildern taten. Hüters Versionen von surrealen Bildwelten weisen sich durch ihre Materialität als Teil unserer Gegenwart aus und ermöglichen damit einen wachen Blick auf ebendiese.

Marina Rüdiger