Jörg / Melker

Jörg arbeitet in einem Betrieb an der Grenze von konventioneller zu ökologischer Landwirtschaft.  Das bedeutet, ein waches Auge auf die Problematik, die die heutige Landwirtschaft mit sich bringt, zu haben. Ein Gütezeichen der ökologischen Landwirtschaft ist die »Wildnis« um die Wiesen herum. Hier ist wieder Platz für pflanzliche Vielfalt.

Es werden nicht nur Rohstoffe an die Molkerei geliefert, sondern in der hauseigenen Käserei diverse Sorten Käse erzeugt, die in Lebensmittelgeschäften der Umgebung und ab Hof gekauft werden können.

Nach einem Interview mit Jörg vor längerer Zeit, in dem es ums Tierwohl und die Umweltproblematik ging, soll es diesmal um das Thema „Der Melker und das Menschenwohl“ gehen. Der finanziell enge Rahmen, der auch durch die EU geprägt ist, kommt hier zur Sprache, der Freizeitmangel aber auch Themen wie Eigenverantwortung, Abwechslungsreichtum, die Nähe zu Tieren.

Es festigt sich der Eindruck, dass Jörg mit dem richtigen Beruf am richtigen Ort ist.

„Die melken mit einem Karussell. Da fahren die Kühe im Karussell an dem Personal vorbei und die sind noch ärmer dran wie ich, weil die nur die sehen nur den Arsch und das Euter von der Kuh sehen nicht mehr die ganze Kuh. Einer ist da, der das Euter abputzen und einer, der anhängt. Und das war’s. Und das machen sie acht Stunden und dann auf Wiedersehen. Nächste Schicht.“
„Es war eine komplett verwilderte Herde, die keinen Menschen kannte, die absolut irre war. Die habe ich dann betreut bis sie alle handzahm waren. Sind mir hinterhergelaufen überall hin! Ich musste sie nur rufen, und Die Kühe kamen sofor zu mir. Wurden dann verkauft, verladen und abtransportiert … danach ist mir erstmal ein paar Tage nichts mehr eingefallen. War einfach platt.“
„Es gibt ja genug Wissenschaftler, die sagen, eine Kuh solle nur Gras fressen. Und Schweine nur Küchenabfälle. Jetzt fressen Schweine das Getreide, was eigentlich für den Menschen sein könnte. . Und die Maisflächen könnten, rein theoretisch gesehen, genauso ausschließlich verwendet werden um Getreide oder Gemüse anzubauen.“
„Doch dass diese Menschen kein normales Leben haben, wie andere Leute mit ihrer 40 Stunden Woche, geregeltem Wochenende und solchen Dingen. Meistens unter gesetzlichem Mindestlohn laufen und dabei geht oft die Laune verloren. Sind frustriert und in extremen Fällen, das Trinken anfangen oder sogar irgendwelche Drogen nehmen. Darunter leidet auch im Endeffekt das Tierwohl!“
„Also ich stehe morgens um 4:00 auf. Dann 25 Fahrradfahren über den Berg. So um 04:50 im auf dem Hof. Kontrolliere die Ställe und dann fange ich an zu melken. Bis circa 09:30, eine halbe Stunde Frühstück, danach Klauenschneiden und andere Behandlungen, alles Mögliche sozusagen bis circa 12:00 plus minus: kann mal sein, dass es eine Stunde länger wird.“